Fernbedienung oder AI Personal Assistant — zwei Philosophien

Claude Code Remote Control ist eine Fernbedienung für deinen AI-Programmierer. Session auf dem Rechner starten, von überall steuern — Handy, Tablet, Browser. Alles läuft lokal. Kontrolliert, sicher, spezialisiert.

OpenClaw ist ein AI Personal Assistant, der 24/7 für dich arbeitet. Per WhatsApp, Telegram oder Discord steuerst du ihn — E-Mails, Jira-Tickets, Smart Home. Grenzenlos, autonom, generalistisch.

Kein Vergleich zwischen Konkurrenten — sondern zwischen zwei fundamental verschiedenen Ansätzen.

Hinweis: Stand 25. Februar 2026. Features, Preise und Sicherheitslage können sich seitdem geändert haben.

Transparenz: Ich nutze Claude Code täglich und berate Unternehmen zum Einsatz von AI-Workflows. Keine kommerzielle Beziehung zu Anthropic oder OpenClaw.

Schnell-Überblick

KategorieClaude Code RCOpenClaw
Code schreiben/reviewenExzellentMöglich, aber umständlich
24/7 BetriebTerminal muss offen seinDaemon-Mode
Interface-QualitätClaude App (Markdown, Code)Chat-Apps (eingeschränkt)
Daten-SicherheitOutbound HTTPS, TLSKritische Schwachstellen
Kosten$20-200/Monat (Flat-Rate)$27-600+/Monat mit Opus API
Setup-AufwandMinimalAufwendig (Docker/WSL)

Feature-Vergleich: Claude Code RC vs. OpenClaw — Schnittmenge und USPs


Was ist Claude Code Remote Control?

Claude Code Remote Control wurde am 24. Februar 2026 veröffentlicht. Du startest eine Session im Terminal mit claude remote-control (oder tippst /remote-control in der Claude-App). Die Session erscheint automatisch auf dem Handy. Das Ganze fühlt sich an wie ein normaler Claude-Chat in der App — nur dass deine lokale Maschine im Hintergrund die ganze Arbeit erledigt.

Dein Filesystem, deine MCP-Server, deine Git-Repos — alles bleibt verfügbar, weil nichts in die Cloud wandert. Die Claude App rendert Markdown, Code-Blöcke und Diffs nativ — ein massiver Vorteil gegenüber Chat-basierten Assistenten wie OpenClaw auf Telegram.

Was funktioniert:

  • Session von überall steuern (Handy, Tablet, Browser)
  • Voller Zugriff auf lokales Filesystem, MCP-Server, Tools
  • Auto-Reconnect nach Netzwerk-Unterbrechungen
  • Sandbox-Mode für kontrollierte Ausführung

Was (noch) nicht funktioniert:

  • Nur eine Remote-Session pro Terminal möglich
  • Terminal muss offen bleiben — kein Daemon-Mode
  • Keine parallelen Tasks im selben Chat

Verfügbarkeit: Research Preview für Max-Subscriber ($100-200/Monat). Pro-Support ($20/Monat) angekündigt.


Was ist OpenClaw?

OpenClaw (ehemals Clawdbot) ist ein Open-Source-Projekt von Peter Steinberger. Ein persönlicher AI-Assistent, der auf deiner Hardware läuft und rund um die Uhr arbeitet. Du schreibst ihm auf WhatsApp: “Was steht heute in meinem Kalender?” — und er antwortet. Mit Claude, GPT oder einem lokalen Modell deiner Wahl.

Das Revolutionäre: OpenClaw ist always-on. Morgens um 6 Uhr deine E-Mails zusammenfassen? Automatisch. Jeden Freitag einen Sprint-Report aus Jira? Kein Problem. Über 50 native Integrationen (Gmail, Todoist, GitHub, Spotify, Philips Hue) und 3.000+ Community-Skills auf dem ClawHub Marketplace.


Vergleich 1 — Entwicklung

Claude Code startete als Coding-Agent — aber mittlerweile kann es weit mehr: Research, Datenanalyse, Content-Erstellung, Workflow-Automation über MCP-Server. Und mit Claude Cowork gibt es einen zweiten Ansatz von Anthropic, der sich an nicht-technische Nutzer richtet: Desktop-Automation ohne Terminal, PDFs verarbeiten, Dokumente bearbeiten. Das Anthropic-Ökosystem wächst also über reines Coding hinaus.

Trotzdem bleibt Entwicklung die Kernstärke: Codebase verstehen, über mehrere Dateien refactoren, Tests ausführen. OpenClaw kann Code schreiben, aber ohne Codebase-Kontext und mit Chat-Apps als Interface ist es für ernsthafte Entwicklung ungeeignet.

Praxis-Beispiel: Du migrierst einen API-Endpoint von Express auf Hono. Mit Claude Code RC startest du die Session, gehst zum Mittagessen, öffnest die App auf dem Handy — Claude hat 4 Dateien geändert, Tests laufen durch. “Sieht gut aus, commit bitte” — fertig. Mit OpenClaw auf Telegram bekommst du einen generischen Code-Snippet ohne Syntax-Highlighting, den du manuell in deine IDE kopieren musst.

Gewinner: Claude Code RC — klarer Sieger bei allem rund um Entwicklung.


Vergleich 2 — Jira-Automation

Jira lässt sich per CLI hervorragend ansprechen — und das können beide Systeme. Claude Code kann die Jira-CLI direkt im Terminal nutzen oder über MCP-Server arbeiten. OpenClaw hat einen nativen Jira-Skill mit Natural-Language-to-JQL.

Der Unterschied liegt nicht im ob, sondern im wann: Claude Code braucht eine aktive Session. OpenClaw läuft 24/7 und kann automatisierte Workflows bauen — jeden Morgen um 8 Uhr eine Ticket-Zusammenfassung, automatisch ein Ticket erstellen wenn eine Bug-Mail eingeht, um 3 Uhr nachts ohne dass ein Mensch wach sein muss.

Der fundamentale Unterschied: Claude Code = du steuerst aktiv. OpenClaw = es handelt autonom.

Gewinner: Differenziert. OpenClaw hat die bessere Vision (24/7-Automation), Claude Code die sicherere Praxis.


Vergleich 3 — Büro-Tasks

OpenClaw wurde dafür gebaut: Morgens um 6:30 ein personalisiertes Tagesbriefing auf WhatsApp — Wetter, Kalender, Top-Tasks, priorisierte E-Mails. Du antwortest “Sag mein 10-Uhr-Meeting ab” — erledigt.

Claude Code RC ist ein Coding-Agent. Es hat keinen Zugriff auf Kalender, E-Mails oder Fitnesstracker. Punkt.

Gewinner: OpenClaw, deutlich. Für Tests aktuell mit isolierter VM und Test-Accounts empfohlen.


Sicherheit und Reifegrad

Ein wichtiger Unterschied: Claude Code RC läuft in einer kontrollierten Umgebung — ausgehende HTTPS-Requests, TLS, kurzlebige Credentials, kein offener Port. Anthropic bietet DPA und Enterprise-Compliance.

OpenClaw ist als Open-Source-Projekt noch in einer frühen Phase. Im Februar 2026 haben Security-Teams Schwachstellen dokumentiert (u.a. ungeschützte Instanzen, problematische Community-Skills). Das ist typisch für junge Open-Source-Projekte und kein fundamentales Problem des Konzepts — sondern eine Frage der Reife. Wer heute damit experimentiert, sollte eine isolierte VM mit Test-Accounts nutzen. Für beide Tools gilt: DSGVO-Prüfung ist Pflicht, bei OpenClaw wegen der dezentralen Architektur komplexer.


Kostenvergleich

Monatliche Kosten im Vergleich: Claude Code RC vs. OpenClaw

Claude Code RC: Flat-Rate

  • Pro: $20/Monat — Claude Code im Terminal, RC kommt bald
  • Max 5x: $100/Monat — Remote Control verfügbar
  • Max 20x: $200/Monat — Priority Access

Fertiges Produkt, kein Server-Setup, keine API-Keys verwalten.

OpenClaw: Kostenlos* (*es ist kompliziert)

Open-Source (MIT), aber API-Kosten werden unterschätzt. Du brauchst separate API-Keys — das Claude-Abo deckt OpenClaw nicht ab.

SzenarioClaude Code RCOpenClaw + OpusOpenClaw + Sonnet
Gelegenheitsnutzer$20/Mo (Pro)~$27/Mo~$16/Mo
Täglicher Assistent$100/Mo (Max 5x)~$170/Mo~$104/Mo
Power User / 24/7$200/Mo (Max 20x)~$600/Mo~$360/Mo
Team (5 Personen)$125/Mo (Team)~$850-3.000/Mo~$520-1.800/Mo
Setup-Aufwand5 Minuten1-3 Stunden1-3 Stunden

Dazu bei OpenClaw: Hosting ($0-20/Mo), Server-Wartung, Security-Hardening, kein Support.


Enterprise-Check

Claude Code RC punktet bei Kontrolle: Sandbox-Mode, TLS, Teil des Anthropic-Stacks mit Team/Enterprise-Plänen. Noch Research Preview (kein SLA), aber für Entwickler-Teams in der Praxis hervorragend.

OpenClaw ist heute kein Enterprise-Tool — es fehlen SOC2, Audit-Trails und RBAC. Aber das Konzept eines autonomen AI-Assistenten, der 24/7 Routine-Aufgaben erledigt, ist genau das, was Unternehmen langfristig brauchen. Die Frage ist nicht ob, sondern wer dieses Konzept enterprise-reif umsetzt.

Meine Empfehlung als AI Workflow Consultant:

  • Entwickler-Teams: Claude Code. Sofort einsetzbar, kontrollierbar.
  • Unternehmensweite AI-Automation: Das OpenClaw-Konzept im Auge behalten — enterprise-taugliche Varianten werden kommen.
  • Innovation-Labs: OpenClaw auf isolierter Maschine ausprobieren, um Use-Cases zu identifizieren.

Fazit — Fernbedienung oder AI Personal Assistant?

Du brauchst…EmpfehlungWarum
Code schreiben, reviewen, deployenClaude Code RCSpezialisiert, sicher, exzellentes Interface
Jira-Tickets automatisierenClaude Code + MCPKontrolliert, Enterprise-kompatibel
24/7 Automation / TagesbriefingOpenClaw (isoliert)Zukunftsweisendes Konzept, ideal zum Experimentieren
Enterprise-Einsatz (heute)Claude CodeKontrolle, Compliance, Ökosystem
Nicht-technische NutzerClaude CoworkDesktop-Automation ohne Terminal

Das Konzept ist die eigentliche Story

Claude Code RC ist das bessere Produkt heute — ausgereift, sicher, sofort einsetzbar. Aber OpenClaw zeigt, wohin die Reise geht. Ein autonomer AI-Assistent, der rund um die Uhr E-Mails priorisiert, Tickets erstellt, Kalender verwaltet und proaktiv handelt — das ist kein Nischenprodukt, das ist die Zukunft der Wissensarbeit.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Konzept in enterprise-tauglicher Form auf den Markt kommt. Die Kandidaten stehen bereit: Anthropic baut mit Claude Cowork und der Enterprise-API in genau diese Richtung. Google hat mit Gemini und dem Android-Ökosystem die perfekte Plattform dafür. Und dann ist da noch Apple — das lang erwartete Siri-Update mit Apple Intelligence könnte der Moment sein, in dem der “AI Personal Assistant” im Mainstream ankommt. Apple hat, was OpenClaw fehlt: ein geschlossenes Ökosystem, Hardware-Integration, und das Vertrauen von Milliarden Nutzern in Sachen Datenschutz.

Heute: Fernbedienung für die Arbeit, OpenClaw fürs Experiment. Morgen: Der AI Personal Assistant wird so selbstverständlich sein wie heute das Smartphone.


Quellen und weiterführende Links:

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Claude Code Remote Control und OpenClaw?

Claude Code Remote Control ist eine Fernbedienung für deinen lokalen Coding-Agenten — du steuerst aktiv eine Terminal-Session von Handy oder Tablet. OpenClaw ist ein autonomer AI Personal Assistant, der 24/7 auf deinem Server läuft und selbstständig Aufgaben wie E-Mails, Jira-Tickets und Smart Home erledigt.

Ist OpenClaw sicher für den produktiven Einsatz?

Stand Februar 2026 hat OpenClaw dokumentierte Sicherheitsschwachstellen: WebSocket-Hijacking (CVSS 8.8), öffentlich erreichbare Instanzen ohne Authentifizierung und schadhafte Community-Skills. Für produktive Firmendaten wird OpenClaw aktuell nicht empfohlen — nur für Experimente auf isolierten Maschinen.

Was kostet OpenClaw wirklich im Vergleich zu Claude Code?

Claude Code kostet $20-200/Monat als Flat-Rate. OpenClaw ist zwar Open-Source, aber die API-Kosten (z.B. Opus 4.6) liegen bei $27-600+/Monat je nach Nutzungsintensität, plus Hosting-Kosten und Wartungsaufwand.

Kann Claude Code Remote Control auch E-Mails und Kalender verwalten?

Nein, Claude Code Remote Control ist auf Entwicklungsaufgaben spezialisiert. Es hat keinen nativen Zugriff auf E-Mails oder Kalender. Für Büro-Automation wie Tagesbriefings, E-Mail-Management und Kalender-Steuerung ist OpenClaw die bessere Wahl — allerdings mit den genannten Sicherheitsvorbehalten.

Welches Tool eignet sich für Enterprise-Einsatz?

Claude Code ist die sicherere Wahl: kontrollierte Umgebung, TLS-Verschlüsselung, Team- und Enterprise-Pläne mit Compliance-Garantien. OpenClaw bietet keine Enterprise-Governance (kein SOC2, keine RBAC, keine Audit-Trails) und wird für Produktionsumgebungen aktuell nicht empfohlen.